Erst mit dem Adventsgärtlein im Kindergarten wird es in mir richtig weihnachtlich. Für mich persönlich ist dies eins der schönsten Feste im ganzen Kindergartenjahr, denn es berührt mich auf besondere Weise. Wer seine Kinder in einem Waldorfkindergarten hat, der weiß, wovon ich spreche. Für alle anderen möchte ich es kurz umschreiben. Man benötigt: Pro Kind einen ausgestochenen Apfel, eine kleine Kerze, Stern aus Goldkarton, Tannenzweige, 1 große(Bienenwachs-) Kerze für die Raummitte, Stühle für die Eltern. Das Adventsgärtlein wird bei uns am Freitag Nachmittag (wenn es draußen dunkel wird) vor dem ersten Advent gefeiert und soll die Kinder (und deren Eltern) auf die Adventszeit einstimmen. Ein großer, völlig abgedunkelter Raum im Kindergarten wird zunächst ausgeräumt. Die Eltern haben die Tage zuvor Tannenreisig gesammelt und in den Kindergarten gebracht. Diese Zweige werden dann nach dem Zurechtschneiden in Form einer großen Schnecke auf dem Boden des Zimmers verteilt. Diese Schnecke ist so groß, dass ein Weg darin entsteht, den man begehen kann. In der Mitte dieser Tannenschnecke steht auf einem mit Tüchern geschmückten Podest eine große leuchtende Bienenwachskerze, auf einem Tablett in der Nähe stehen rotbackige und polierte Äpfel, welche mit einer kleinen Bienenwachskerze versehen sind. Als Tropfschutz ist ein Stern aus Goldpapier eingelegt. Die Kinder werden im lediglich von Kerzen beleuchteten Kindergarten am späten Nachmittag im Vorraum von mir empfangen. Die Eltern gehen derweil schon in den vorbereiteten Raum, setzen sich still auf die Plätze (neben der Schnecke stehen die kleinen Stühle für die Kinder, dahinter und daneben die Stühle für die Eltern) und warten darauf, dass die Kinder singend den Raum betreten. Sobald man den Raum betritt, nimmt man den angenehmen Duft des Tannenreisigs wahr, das ist schon ein Erlebnis für sich, auch der Anblick der Kerze in dieser Dunkelheit, die besondere Stille im Raum... Wenn die Kinder den Raum singend betreten, dann stimmen auch die Eltern mit in den Gesang ein. Zu Beginn wird immer das Lied "Über Sterne, über Sonnen" gesungen. Manchmal begleiten Eltern den Gesang zart mit einem Instrument auf der Leier, der Gitarre oder einer Flöte. Alle Kinder setzen sich auf ihre Plätze, der Raum ist recht dunkel, er wird zu Beginn nur von dieser einen Kerze erhellt. Nun beginne ich mit dem folgenden Spruch: "In der dunklen Nacht ist ein Stern erwacht, leuchtet hell am Himmelszelt, schenkt sein Licht der ganzen Welt, in der dunklen Nacht ist ein Stern erwacht:" Der Reihe nach steht jedes Kind einzeln auf, bekommt in seine Hände einen Apfel mit der Kerze gereicht und geht die Schnecke von außen nach innen zur großen Kerze (ich begleite jedes Kind, wenn es dies wünscht). Dort entzündet es sein Lichtlein an der Flamme in der Mitte, geht ein Stück den Weg der Schnecke zurück und stellt sein Apfellicht auf einen der goldenen Sterne, die auf den Tannenzweigen liegen. Dann geht das Kind zurück zu seinem Platz - das nächste Kind ist an der Reihe - immer wird der Weg eines jeden Kindes vom Gesang der Eltern begleitet. Mit jedem Kind, das in die Schnecke gegangen ist, sein Licht an der großen Kerze entzündet und es dann auf der Spirale abgestellt hat, wird der Raum lichter und lichter, bis der Raum am Ende von einer Vielzahl von kleinen Kerzlein erstrahlt - je mehr die Flamme in der Mitte von sich verschenkt, desto strahlender wird es... Wenn alle Kinder an der Reihe waren (auch die Apfellichter fehlender Kinder werden von mir in die Schnecke getragen und angezündet), gehe ich mit den Kindern zurück in den Vorraum, wo sie angezogen und verabschiedet werden. Währenddessen sitzen die Eltern zunächst meist noch eine Weile sehr berührt und still auf ihren Plätzen. Zwei von ihnen sammeln dann der Reihe nach die strahlenden Apfellichter wieder auf dem Tablett ein und bringen sie ins Zimmer nebenan, wo die Kinder bereits warten und jedes von ihnen dann ein solches Äpfelchen bekommt. Mit dem Apfel und der brennenden Kerze gehen die Kinder einzeln zu ihren Eltern - man geht dann still und beseelt nach Hause. Was dann geschieht bleibt jedem Elternhaus überlassen. Mit dem Licht im Apfel wird bei uns am Sonntag dann die erste der vier Kerzen angezündet. Das Apfellicht findet auf dem Jahreszeitentisch Platz und darf jeden Abend leuchten. Für mich ist es ein schöner Moment, jedes einzelne Kind zu betrachten, wie es auf seine ihm gemäße Weise den Weg in das Innerste der Schnecke geht und wieder zurück. Das ist bei jedem Kind anders. Das eine Kind geht schnurstracks des Weges, ein anderes geht ganz langsam und betrachtet den Weg in völliger Ruhe, wieder ein anderes ist ängstlich und braucht eine begleitende Hand....jeder Mensch geht eben anders durch das Leben und das zeigt sich oft auch in anderer Weise im Adventsgärtlein.
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